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Ratgeber Auszahlphase

4%-Regel verstehen: sichere Entnahmerate, Beispiel und Kritik

Die 4%-Regel ist eine bekannte Faustregel für die Auszahlphase: Im ersten Jahr werden 4 % des Startvermögens entnommen, danach wird die Entnahme oft an Inflation angepasst. Sie ist ein historischer Orientierungswert, keine sichere Ruhestandszusage.

4%-Regel berechnen Sichere Entnahmerate einordnen Grenzen und Sequence-of-Returns-Risiko verstehen

Von Dawid Oleksiuk

Zuletzt geprüft am 26. Juni 2026

Methodik

Definition

Was bedeutet die 4%-Regel?

Die 4%-Regel sagt vereinfacht: Im ersten Jahr der Auszahlphase werden 4 % des Startvermögens entnommen. Bei 500.000 € Kapital wären das 20.000 € im ersten Jahr oder rund 1.667 € monatlich.

In vielen Darstellungen wird diese erste Entnahme danach jährlich an die Inflation angepasst. Genau dadurch ist die Regel anspruchsvoller als eine dauerhaft konstante Monatsrate: Die Auszahlung soll real ähnlich bleiben, obwohl Preise, Märkte und Lebensdauer unsicher sind.

Formel

4%-Regel berechnen: Entnahme und Zielvermögen

Erste Jahresentnahme = Startvermögen x 4 %

Umgekehrt lässt sich aus gewünschten Ausgaben ein grobes Zielvermögen ableiten. Bei 30.000 € Jahresbedarf ergeben verschiedene Entnahmeraten deutlich unterschiedliche Zielgrößen.

Entnahmerate Jahresbedarf Grob benötigtes Kapital
3 % 30.000 € 1.000.000 €
4 % 30.000 € 750.000 €
5 % 30.000 € 600.000 €

Szenario

Warum 4 % im Entnahmeplan nicht automatisch sicher sind

Zinspfad rechnet hier bewusst mit einem geglätteten Durchschnittsmodell. Das ersetzt keine Monte-Carlo-Simulation und keine Ruhestandsberatung, zeigt aber, wie stark Inflation und Renditeannahme die Auszahlphase verändern können.

Szenario Annahme Restkapital nach 30 Jahren Status
4 % konstant Monatsrate bleibt nominal gleich 701.861 € reicht im Modell
4 % inflationsangepasst Monatsrate steigt jährlich mit Inflation 357.940 € reicht im Modell
4 %, niedrigere Rendite Inflationsanpassung, aber nur 3 % Renditeannahme 0 € aufgebraucht nach 27,9 Jahre

Kritik

Die 4%-Regel hat klare Grenzen

  • Die historische 4%-Regel stammt aus US-Daten und passt nicht automatisch auf deutsche Steuer-, Kosten- und Vorsorgekontexte.
  • Sie vereinfacht echte Marktabfolgen. Schlechte Jahre zu Beginn der Entnahmephase können deutlich mehr schaden als derselbe Durchschnitt später.
  • Inflationsanpassung schützt Kaufkraft, erhöht aber den Druck auf das Kapital.
  • Kosten, Steuern, Krankenversicherung, größere Einmalausgaben und längere Lebensdauer brauchen eigene Sicherheitsmargen.
  • Eine niedrigere Entnahmerate kann konservativer sein, erfordert aber mehr Startkapital oder geringere Ausgaben.

Nächster Schritt

Von der Faustregel zur eigenen Entnahmeplanung

Nutze die 4%-Regel als erste Plausibilitätsfrage: Passen gewünschte Ausgaben und Kapitalstock grob zusammen? Danach sollte die Planung mit mehreren Szenarien fortgesetzt werden: niedrigere Rendite, höhere Inflation, längere Laufzeit, niedrigere Entnahmerate und bewusstes Restkapital.