Definition
Was bedeutet die 4%-Regel?
Die 4%-Regel sagt vereinfacht: Im ersten Jahr der Auszahlphase werden 4 % des Startvermögens entnommen. Bei 500.000 € Kapital wären das 20.000 € im ersten Jahr oder rund 1.667 € monatlich.
In vielen Darstellungen wird diese erste Entnahme danach jährlich an die Inflation angepasst. Genau dadurch ist die Regel anspruchsvoller als eine dauerhaft konstante Monatsrate: Die Auszahlung soll real ähnlich bleiben, obwohl Preise, Märkte und Lebensdauer unsicher sind.
Formel
4%-Regel berechnen: Entnahme und Zielvermögen
Erste Jahresentnahme = Startvermögen x 4 %
Umgekehrt lässt sich aus gewünschten Ausgaben ein grobes Zielvermögen ableiten. Bei 30.000 € Jahresbedarf ergeben verschiedene Entnahmeraten deutlich unterschiedliche Zielgrößen.
| Entnahmerate | Jahresbedarf | Grob benötigtes Kapital |
|---|---|---|
| 3 % | 30.000 € | 1.000.000 € |
| 4 % | 30.000 € | 750.000 € |
| 5 % | 30.000 € | 600.000 € |
Szenario
Warum 4 % im Entnahmeplan nicht automatisch sicher sind
Zinspfad rechnet hier bewusst mit einem geglätteten Durchschnittsmodell. Das ersetzt keine Monte-Carlo-Simulation und keine Ruhestandsberatung, zeigt aber, wie stark Inflation und Renditeannahme die Auszahlphase verändern können.
| Szenario | Annahme | Restkapital nach 30 Jahren | Status |
|---|---|---|---|
| 4 % konstant | Monatsrate bleibt nominal gleich | 701.861 € | reicht im Modell |
| 4 % inflationsangepasst | Monatsrate steigt jährlich mit Inflation | 357.940 € | reicht im Modell |
| 4 %, niedrigere Rendite | Inflationsanpassung, aber nur 3 % Renditeannahme | 0 € | aufgebraucht nach 27,9 Jahre |
Kritik
Die 4%-Regel hat klare Grenzen
- Die historische 4%-Regel stammt aus US-Daten und passt nicht automatisch auf deutsche Steuer-, Kosten- und Vorsorgekontexte.
- Sie vereinfacht echte Marktabfolgen. Schlechte Jahre zu Beginn der Entnahmephase können deutlich mehr schaden als derselbe Durchschnitt später.
- Inflationsanpassung schützt Kaufkraft, erhöht aber den Druck auf das Kapital.
- Kosten, Steuern, Krankenversicherung, größere Einmalausgaben und längere Lebensdauer brauchen eigene Sicherheitsmargen.
- Eine niedrigere Entnahmerate kann konservativer sein, erfordert aber mehr Startkapital oder geringere Ausgaben.
Nächster Schritt
Von der Faustregel zur eigenen Entnahmeplanung
Nutze die 4%-Regel als erste Plausibilitätsfrage: Passen gewünschte Ausgaben und Kapitalstock grob zusammen? Danach sollte die Planung mit mehreren Szenarien fortgesetzt werden: niedrigere Rendite, höhere Inflation, längere Laufzeit, niedrigere Entnahmerate und bewusstes Restkapital.